Ist eine Gemeinwohlorientierung möglich?

Stand: 13.02.2014 19:11:43

 

 

 

"Nicht nur in literarischen Texten ist die Figur des Nachtwächters häufig mit der Rolle eines satirischen Kommentators auch des Regionalgeschehens verknüpft. Seine Außenseiterposition prädestiniert ihn geradezu dazu – ähnlich der Narrenfigur – als Mahner der Wahrheit aufzutreten, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten und auf diese Weise die Obrigkeit und die herrschenden Systeme zu kritisieren. Mit der Figur wird somit eine Umdeutung der eigentlichen Tätigkeit dieses Berufsstandes vollzogen: Der, der eigentlich für Ruhe und Ordnung sorgen soll, wird zum Aufrührer und Unruhestifter." So ist der Nachtwächter von Eibensbach einzuordnen. Er denkt und handelt nach Folgendem: Welche Formen kollektiver Interessenvertretung sind unter den Bedingungen entgrenzter und subjektivierter Herrschaft denkbar?

Textquelle "Nachtwächter": auch in Anlehnung an die Definition von Wikipedia.

 

 

Gedanken des "Nachtwächters von Eibensbach" zum Gemeinwohl:

 

Eine wichtige Voraussetzung:

Eine Gemeinde, in der sich die Bürger wohl fühlen. Dazu gehört auch das Gemeinwohl.

Was ist das Gemeinwohl?

  • Das Gemeinwohl existiert nicht unabhängig und losgelöst von den einzelnen Bürgern einer Gemeinde.
  • Es konkurrieren immer eine Vielzahl von Gemeinwohlvorstellungen innerhalb einer Gemeinde.
  • Ein Ergebnis kann aber Gemeinwohl orientiert sein, wenn möglichst alle Interessen und Betroffenheiten berücksichtigt sind.

Somit spiegelt der Begriff Gemeinwohl zwar Eindeutigkeit vor. Er ist aber in Wirklichkeit vieldeutig. Oder anders ausgedrückt: Er ist eine Orientierungshilfe, die dazu dient, bei Entscheidungen alle sichtbaren Interessen in Zusammenhang zu bringen. Er ist keine inhaltlich fixierte Größe.

Gemeinwohlorientiert ist:

Wenn (möglichst) alle Interessen und Betroffenheiten der Bürger berücksichtigt und einbezogen worden sind.

  • Je kontroverser die jeweiligen Interessen und somit auch die Gemeinwohlvorstellungen werden, desto wichtiger ist dann der Entscheidungsprozeß.

Am Anfang eines Entscheidungsprozesses steht die Artikulation des Problems. z.B.: "Die Güglinger Bevölkerung ist aufgerufen, sich aktiv an der Gestaltung ihrer Heimatstadt zu beteiligen."

Der Nachtwächter von Eibensbach denkt: Der Kern des Gemeinwohlbegriffes liegt im Verfahren. Es gibt folgende Verfahren:

  • monopolisierte Willensbildung (es gibt nur eine Institution in der sich Willensbildung abspielt)
  • konkurrierende Willensbildung ( möglichst viele bzw. alle Interessengruppen betätigen sich bei der Willensbildung

Ein Beispiel aus dem überschaubaren Bereich der Kommunalpolitik:

Jeder Bürger hat mehr oder weniger Wünsche an seine Stadt. Er bedenkt nur selten, dass sich diese Wünsche teilweise im Raum stoßen. Der Bürger  muss erkennen, dass:

  •  er nicht allein steht. 
  •  er sich mit den anderen Bürgern auseinander setzen muss.
  •  er mit ihnen zum Kompromiss finden muss. 

Es gibt auch in einer Stadt unterschiedliche Interessengruppen die selten Bürgerbewußtsein entwickeln.

Ein Beispiel:

Die heimische Industrie kann stark sein.

Es kommt aber darauf an, diese Industrie in das Gemeinwohl der Stadt mit einzubinden.

Es gibt zahlreiche Gruppen, deren Einfluss wechselhaft sein kann.

Beispiele:

Die Gruppe der Vereine,

Die Gruppe der Eltern, die sich um die Qualität Schule kümmern

Die Gruppe der Schüler, die sich um ihre Zukunft Gedanken machen.

Die Gruppe der Senioren, und ihre zukünftige Lebensqualität

Es gibt auch. die große Gruppe der Bürger, die nicht organisiert sind und ihre Interessen nicht artikulieren.

Es ist nicht zuletzt die Aufgabe der Stadtverwaltung, gerade, und nicht zuletzt auch, an diese Gruppe zu denken.

 

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